Höchste Eisenbahn

150 Jahre Zugverkehr in Oldenburg – Jubiläumsausstellung im Stadtmuseum Oldenburg und im Museumsdorf Cloppenburg

Die 150-jährige Erfolgsgeschichte der Eisenbahn im Herzogtum Oldenburg wird derzeit in einer groß angelegten Doppelschau gewürdigt. Das Stadtmuseum Oldenburg und das Museumsdorf Cloppenburg zeigen gemeinsam eine kulturgeschichtliche Ausstellung. Sie beleuchtet aus verschiedenen Perspektiven die enge Verknüpfung zwischen der Entwicklungsgeschichte der Eisenbahn und dem Ausbau der Wirtschaft. Am 1. Juni 1867 wurde die „Großherzogliche Oldenburgische Eisenbahndirektion“ gegründet, deren Abkürzung „G.O.E.“ der Volksmund mit „Ganz ohne Eile“ zu interpretieren pflegte. Dennoch verlief die Erfolgsgeschichte des Transportunternehmens ungebremst. Innerhalb weniger Jahrzehnte erfolgte der Ausbau der wichtigsten Eisenbahnverbindungen mit Anschluss an das überregionale Streckennetz. Die Eisenbahn wurde zum Inbegriff der Mobilität und ist bis heute ein selbstverständliches Fortbewegungsmittel. Das Stadtmuseum Oldenburg nimmt seine Besucher mit auf eine Zeitreise durch Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Eisenbahnalltags. Schon eingangs wird der Besucher mit dem typischen Pfeifen der Dampflok begrüßt. Mit technischen Exponaten, Dokumenten, Fotos und Filmen spannt die Schau einen Bogen von der Gründung der „G.O.E.“ bis hin zur jüngsten Entwicklung des so vertrauten Transportmittels. Objekte wie Uniformen, originale Stellwerke, ein historischer Fahrkartenschalter und eine Modellbahnlandschaft führen die Besucher mitten in die Eisenbahnwelt. In einem nachgebauten Abteil können sie alten Gedichten über das Zugfahren horchen oder am „Transimulator“ selbst in die Rolle des Zugführers schlüpfen. „Die kleinen Besucher können es sich in kuscheligen Transportcontainern gemütlich machen. Darin finden sie Angebote zum Lesen, Malen und Rätseln – rund um das Thema Eisenbahn“, so Kuratorin Lioba Meier. Während das Stadtmuseum die urbanen Aspekte der oldenburgischen Bahngeschichte fokussiert, widmet sich das Museumsdorf Cloppenburg der Eisenbahnentwicklung in den ländlichen Bereichen. „Damals existierten ja noch keine Autos“, erläutert Direktor Uwe Meiners. „Das Aufkommen der Eisenbahn war gerade für die Region revolutionär und bedeutete eine ungekannte Mobilität.“ Die hiesige Landwirtschaft verstand es, die Gunst der Stunde zu nutzen. Mit dem Import von Düngemitteln und Viehfutter wurde die Agrarproduktion enorm gesteigert, während sich die wachsenden Großstädte zum idealen Absatzmarkt der Fleisch- und Milchprodukte entwickelten. Doch nicht nur Landwirte, auch andere Unternehmen profitierten von der Eisenbahn: Torf, Ziegel und Möbel wurden exportiert. Große Bedeutung hatte auch der Tourismus. An den Wochenenden wurden die Städter von der Bahn ins Grüne gebracht – sogar auf die Insel Wangerooge, die sich dadurch zu einem attraktiven Seebad entwickelte. Das Ende der Fürstenherrschaft bedeutete auch das Ende der Großherzoglich Oldenburgischen Eisenbahn. Seither nutzten die Reichsbahn und die Bundesbahn die Gleise. Heute fährt hier auch die Nordwestbahn. Wenngleich das Auto die Attraktivität der Bahn im wahrsten Sinn des Wortes streckenweise ablöste, bleibt der Schienenverkehr bis heute unentbehrlich und wird mancherorts sogar wieder ausgebaut. Dass Zugfahrten und Bahnhöfe viel spannendere Begegnungen mit sich bringen als die Autofahrt, beweist das Begleitprogramm. Echte Eisenbahn-Nostalgie verspricht eine Filmnacht mit dem legendären Miss-Marple-Film „16 Uhr 50 ab Paddington“ in der Cloppenburger Münch­hausenscheune. Wer es lieber sportlich mag, kann an Fahrradexkursionen entlang alter Schienenwege und Gleisanlagen teilnehmen.